Adobe Commerce vs Shopify: Kosten, B2B, Migration

Adobe Commerce (Magento) vs Shopify Plus im Vergleich: TCO, B2B-Funktionen, DSGVO und Migration. Mit Entscheidungsmatrix für DACH-Händler.

Profilbild von Kevin Lücke, CTO & Co-Founder bei Qualimero
Kevin Lücke
CTO & Co-Founder bei Qualimero
29. März 2026Aktualisiert: 4. August 202617 Min. Lesezeit

Adobe Commerce vs Shopify: Das Wichtigste in 60 Sekunden

Adobe Commerce, bis 2021 Magento Commerce, ist eine lizenzpflichtige Plattform auf Open-Source-Basis mit voller Code-Kontrolle und Gesamtkosten ab etwa 60.000 US-Dollar im Jahr. Shopify Plus ist SaaS und startet bei 2.100 Euro im Monat. Für die meisten DACH-Mittelständler entscheidet nicht das Feature-Set, sondern die eigene Entwicklerkapazität.

Zur Namensfrage gleich vorweg, weil sie in jedem zweiten Agenturangebot für Verwirrung sorgt: Magento und Adobe Commerce sind dasselbe Produkt. Adobe hat Magento 2018 für 1,68 Milliarden US-Dollar gekauft (Adobe) und die kostenpflichtige Enterprise-Edition im April 2021 in Adobe Commerce umbenannt. Magento Open Source läuft weiter, kostenlos, ohne B2B-Modul und ohne Adobe-Support.

Entscheidungsmatrix: Adobe Commerce (Magento) gegen Shopify Plus, Stand Q3 2026
KriteriumAdobe Commerce (Magento)Shopify PlusVorteil bei
Lizenz bzw. Plattformgebührab ~22.000 USD im Jahr, gestaffelt nach GMVab 2.100 € im Monat bei 3 Jahren Laufzeitabhängig vom GMV
Hostingfrei wählbar, selbst verantwortetim Plan enthaltenShopify Plus
Entwicklerbedarffestes Team oder Agentur zwingendAdmin-Rolle plus punktuelle EntwicklungShopify Plus
Time-to-Market6 bis 12+ Monate2 bis 4 MonateShopify Plus
B2BShared Catalogs, Quotes, mehrstufige Freigaben nativB2B on Shopify, deckt StandardszenarienAdobe Commerce
Checkout-Anpassungvollständig im Codedefinierte ErweiterungspunkteAdobe Commerce
DSGVO und ServerstandortEU-Hosting frei wählbarzentral gehostet, StandardvertragsklauselnAdobe Commerce
KI-FunktionenAdobe Sensei, Backend und MerchandisingShopify Magic und Sidekick, Content und Supportunentschieden

Kurz: Mit Adobe Commerce kaufst du Kontrolle, mit Shopify Plus kaufst du Zeit. Alles Weitere in diesem Vergleich ist die Frage, was dich das jeweils kostet.

Adobe Commerce (Magento) und Shopify Plus: Die Kernunterschiede

Der Kernunterschied ist Besitz gegen Bequemlichkeit. Adobe Commerce liefert den Quellcode und damit unbegrenzte Anpassbarkeit, verlangt dafür aber ein eigenes Entwicklerteam, eigenes Hosting und eigene Sicherheitsupdates. Shopify Plus nimmt dir beides ab und begrenzt dafür die Eingriffstiefe, vor allem im Checkout und in der Datenhaltung.

Adobe Commerce: Code-Besitz mit Betriebspflicht

Du bekommst den vollständigen Quellcode und kannst jede Preislogik, jeden Katalogzusammenhang und jeden Checkout-Schritt selbst schreiben. Das ist real und nicht bloß Marketing: Ein Reifenhändler mit Felgen-Freigabelogik gegen ein 20 Jahre altes ERP bekommt das in Adobe Commerce sauber abgebildet. In Shopify Plus bräuchte derselbe Fall ein eigenes Frontend.

Der Preis dafür ist der Betrieb. Adobe hat am 10. März 2026 den Sicherheitspatch 2.4.8-p4 veröffentlicht, der PHP 8.4 oder 8.5, MariaDB 11.4 und OpenSearch 3 voraussetzt (MGT-Commerce). Solche Sprünge sind eben keine Konfigurationsarbeit. Pro Major-Upgrade werden 5.000 bis 30.000 US-Dollar Entwicklungsaufwand veranschlagt.

Und die Basis schrumpft. Magento betreibt weltweit noch rund 112.000 aktive Shops (StoreLeads, Q1 2026), nach 162.000 im vierten Quartal 2021, bei etwa 8 Prozent globalem Marktanteil auf Platz drei hinter Shopify und WooCommerce (MGT-Commerce). Über 86 Prozent der aktiven Installationen laufen inzwischen auf Magento 2. Wer heute noch auf Magento 1 sitzt, hat weder Patches noch Support.

Shopify Plus: gemieteter Betrieb, definierte Grenzen

Bei Shopify mietest du die Infrastruktur. Kein Serverzugriff, keine Datenbankhoheit, dafür auch keine Patchnacht vor Black Friday. Updates laufen im Hintergrund, Lastspitzen sind das Problem des Anbieters, nicht deins.

Im DACH-Raum lohnt der Blick auf zwei getrennte Segmente, weil sie gegenläufig aussehen. Unter den 1.000 größten deutschen Onlineshops liegt Shopware knapp vor Adobe Commerce, im dritten Jahr in Folge, mit einem Abstand von sieben Installationen (iBusiness, Erhebung Dezember 2025). Bei kleinen und mittelgroßen deutschen Shops bis 10 Millionen Euro Umsatz dreht sich das Bild komplett: Shopify kommt dort auf 39,9 Prozent, Shopware auf 25,1 Prozent, JTL auf 12,3 Prozent, während Magento und Eigenentwicklungen zusammen bei knapp 5 Prozent liegen (uptain), ausgewertet über mehr als 1.500 Shops.

Julian Craemer, CEO und Gründer von uptain, ordnet das so ein: "Shopify hat es mit einer einfachen User Experience und starkem Marketing geschafft, den Markt der deutschen KMU-Online-Shops zu erobern. In der Praxis zeigt sich weiterhin, dass lokale Shopsysteme in vielen Aspekten hinterherhinken."

Vergleich der Architektur von Adobe Commerce als Open-Source-Plattform und Shopify Plus als SaaS-Lösung
Open Source mit eigenem Betrieb gegen SaaS mit definierten Grenzen: der Unterschied, aus dem alle Kostenunterschiede folgen.

Total Cost of Ownership: Was beide Plattformen wirklich kosten

Über drei Jahre gerechnet landet Adobe Commerce für einen mittelgroßen DACH-Shop meist zwischen 400.000 und 700.000 Euro, Shopify Plus zwischen 90.000 und 200.000 Euro. Der Unterschied entsteht nicht bei der Lizenz, sondern bei Entwicklung, Hosting und Wartung, die bei Adobe Commerce vollständig beim Händler liegen.

Die wichtigste Zahl in diesem Abschnitt ist keine Zahl: Adobe veröffentlicht keine Listenpreise. Alles, was du online zu Adobe-Commerce-Preisen findest, sind aggregierte Schätzungen von Implementierungspartnern. Das ist kein Vorwurf, aber es gehört halt dazugesagt. Shopify dagegen schreibt seine Einstiegspreise auf die eigene Seite.

Adobe Commerce Lizenzstaffel nach Jahres-GMV (Partnerschätzungen, Stand März 2026)
Jahres-GMVAdobe Commerce On-PremiseAdobe Commerce on Cloud
unter 1 Mio. USD~22.000 USD im Jahr~40.000 USD im Jahr
1 bis 5 Mio. USD~32.000 USD im Jahr~55.000 USD im Jahr
5 bis 10 Mio. USD~49.000 USD im Jahr~80.000 USD im Jahr
10 bis 25 Mio. USD~75.000 USD im Jahr~120.000 USD im Jahr
über 25 Mio. USD~125.000 USD im Jahr~190.000 USD im Jahr

Die Staffel wird jedes Jahr anhand deines rollierenden 12-Monats-GMV neu festgelegt (MGT-Commerce, Stand 11. März 2026). Wächst du, steigt die Lizenz mit. MGT-Commerce fasst die eigentliche Pointe in einem Satz zusammen: "Die Lizenzgebühr ist nur 20 bis 40 Prozent deiner Gesamtausgaben."

Bei Shopify Plus ist die Rechnung schon deutlich kürzer. Der Plan beginnt laut Shopify Plus Preisseite bei 2.100 Euro im Monat für Standard-Setups mit drei Jahren Laufzeit, bei einem Jahr Laufzeit sind es 2.250 Euro. Ab höheren Volumen wechselt Shopify auf eine variable, umsatzbasierte Plattformgebühr. Nutzt du ein fremdes Payment-Gateway statt Shopify Payments, kommen 0,20 Prozent je Transaktion dazu, nicht die oft zitierten 0,25 Prozent. Hauptshop plus neun Erweiterungsshops sind enthalten, jeder weitere kostet 250 Euro im Monat.

Dreijahres-TCO im Modellvergleich: mittelgroßer DACH-Shop
Kostenposition über 3 JahreAdobe Commerce (On-Premise)Shopify Plus
Lizenz bzw. Plattformgebühr66.000 bis 375.000 USD, GMV-gestaffelt75.600 € bei 2.100 € im Monat, 3 Jahre Laufzeit
Hosting15.000 bis 150.000 USD, separat zu beauftragenim Plan enthalten
Entwicklung und Anpassung60.000 bis 300.000+ USDprojektabhängig, kein Herstellerpreis
Wartung, Patches und Support30.000 bis 150.000 USDim Plan enthalten
Extensions bzw. Apps6.000 bis 45.000 USDprojektabhängig, kein Herstellerpreis
Transaktionsgebühr bei fremdem Gatewaykeine plattformseitige Gebühr0,20 % je Transaktion
Zusätzliche Storefrontsim Lizenzmodell enthalten9 inklusive, danach 250 € je Shop und Monat
Modellsumme Mittelstandrund 400.000 bis 700.000 €rund 90.000 bis 200.000 €

Die Adobe-Spalte ist die verdreifachte Jahresspanne aus den Partnerschätzungen. Die Modellsumme ist genau das, eine Modellrechnung, kein Angebot. Wer eine belastbare Zahl braucht, holt sich zwei Angebote und vergleicht die Betriebsposten, nicht die Lizenzzeile. Wie sich das auf den Tarifebenen darunter verhält, steht in unserer Aufschlüsselung der Shopify Kosten im Detail.

Ich halte die Lizenzfrage übrigens für den am meisten überschätzten Teil dieser Entscheidung. In den Integrationsprojekten, die wir begleiten, kippt das Budget fast nie an der Lizenz. Es kippt an der dritten Extension, die nach einem Upgrade nicht mehr läuft.

Kostenvergleich Adobe Commerce und Shopify Plus über drei Jahre mit Lizenz, Hosting und Wartung
Die Lizenz ist laut MGT-Commerce nur 20 bis 40 Prozent der Gesamtausgaben. Der Rest steht selten im Angebot.

Enterprise- und B2B-Funktionen im Vergleich

Adobe Commerce führt bei komplexen Katalogen und nativem B2B: Kundenspezifische Preislisten, Angebotsworkflows und Multi-Store-Setups sind Bordmittel. Shopify Plus hat mit B2B on Shopify stark aufgeholt und deckt Standardszenarien ab, stößt aber bei tief verschachtelten Produktkonfiguratoren und ERP-getriebenen Preislogiken schneller an Grenzen.

Ein Argument gegen Shopify ist seit Oktober 2025 erledigt. Das Variantenlimit lag jahrelang bei 100 pro Produkt und liegt jetzt bei 2.048, verfügbar in allen Tarifen von Basic bis Plus (Shopify, angekündigt am 15. Oktober 2025). Wer Schrauben in 500 Größen verkauft, muss Produkte nicht mehr künstlich aufsplitten. Das war lange das erste Gegenargument in jedem Pitch. Jetzt ist es halt keins mehr.

B2B-Anforderungen Feature für Feature
B2B-AnforderungAdobe CommerceShopify Plus
Kundenspezifische PreislistenShared Catalogs, nativCompany-Profile mit Katalogpreisen, nativ
Angebots- und VerhandlungsworkflowQuotes mit Preisverhandlung, nativDraft Orders, ohne mehrstufige Verhandlung
Firmenkonten mit Hierarchienmehrstufige Genehmigungen, nativflache Struktur, tiefer nur über Apps
Zahlungsziele Netto 30/60nativnativ in B2B on Shopify
Varianten je Artikelpraktisch unbegrenzt, Suchindex-Tuning nötig2.048 seit Oktober 2025, alle Tarife
Konfiguratoren mit Abhängigkeitendirekt im Code abbildbarApp oder Headless-Frontend nötig
ERP-getriebene Preislogikdirekter Code- und Datenbankzugriffüber Admin-API und Shopify Functions

Bei sehr großen Katalogen kippt der Vergleich wieder. Adobe Commerce bildet 500.000 SKUs ab, braucht dafür aber ernsthaftes OpenSearch-Tuning, sonst wird die Facettensuche zäh. Adobe hat für genau diesen Fall im Juni 2025 in Amerika und im August 2025 in EMEA die SaaS-Variante ACCS gestartet, mit bis zu 250 Millionen SKUs je Katalog und bis zu 30.000 Preispunkten pro SKU (MGT-Commerce). Preise dazu gibt es nur auf Anfrage.

Vier Zahlen, die den B2B-Vergleich seit 2025 verschoben haben
2.048
Varianten je Produkt bei Shopify

seit 15. Oktober 2025, in allen Tarifen (Shopify)

112.000
aktive Magento-Shops weltweit

Q1 2026, nach 162.000 im Q4 2021 (MGT-Commerce)

39,9 %
Shopify-Anteil bei deutschen KMU-Shops

Shopware 25,1 %, JTL 12,3 % (uptain)

250 Mio.
SKUs je Katalog in Adobe ACCS

SaaS-Variante, EMEA-Start August 2025

Die Beratungslücke, die beide Systeme offenlassen

Adobe Commerce und Shopify Plus sind im Kern Katalogsysteme. Sie zeigen Produkte, filtern Produkte und verkaufen Produkte. Bei einfachen Sortimenten reicht das.

Im deutschen B2B-Mittelstand reicht es oft nicht. Ein Instandhalter im Maschinenbau sucht nicht, er fragt: Welches Ersatzteil passt an meine fünf Jahre alte Anlage? Eine Facettensuche kann diese Frage strukturell nicht beantworten, egal auf welcher Plattform sie läuft, weil die Antwort nicht in einem Attribut steht, sondern in der Kombination aus Fahrzeug, Baujahr und Zulassung. Wie eine KI-Produktberatung diese Lücke schließt, ist ein eigenes Thema. Wer Shopifys B2B-Modul im Detail bewerten will, findet die Funktionsliste in unserem Überblick zu Shopify B2B.

KI im E-Commerce: Adobe Sensei, Shopify Magic und der dritte Weg

Adobe Sensei optimiert im Backend: Suche, Merchandising, Preisempfehlungen. Shopify Magic erzeugt Content und unterstützt den Support. Beide lösen aber nicht das Problem beratungsintensiver Sortimente, nämlich dass der Kunde nicht weiß, welches Produkt zu ihm passt. Diese Lücke schließt eine Beratungsschicht auf der bestehenden Plattform, unabhängig davon, welche der beiden im Einsatz ist.

Der funktionale Unterschied ist klar abgrenzbar. Sensei arbeitet auf deinen Daten und macht daraus Empfehlungen und Segmente, während Shopify Magic und Sidekick auf der Händlerseite ansetzen und Texte, Auswertungen und Supportantworten erzeugen. Beides ist nützlich. Beides ist Werkzeug für dich, nicht Beratung für deinen Kunden.

Und genau da entscheidet sich, ob ein Replatforming überhaupt das richtige Projekt ist. Wenn deine Conversion niedrig ist, weil der Shop langsam ist oder der Checkout hakt, ist der Plattformwechsel der richtige Hebel. Wenn sie niedrig ist, weil Kunden vor 40 ähnlichen Produkten stehen und nicht wissen, welches passt, dann verschiebst du mit einem Wechsel dasselbe Problem auf eine neue Codebasis.

HELLA Lightstyle ist genau dieser Fall. Der Aftermarket für Zusatzscheinwerfer ist technisch und rechtlich aufgeladen: ECE-Regelungen, Referenzzahlen, Kabelsätze, zulässige Anbaupositionen. Die KI-Produktberaterin bei HELLA Lightstyle beantwortet diese Fragen rund um die Uhr und hat die Support-Anfragen um 60 Prozent gesenkt.

Charlotte Henkenjohann von HELLA Lightstyle beschreibt den Effekt so: "Mit Ella erklären wir Kunden noch samstagnachts um 23 Uhr rechtssicher, welche Lightbar auf ihren LKW darf. Das hat unsere Support-Anfragen um 60 % gesenkt."

Die Größenordnung lässt sich mittlerweile sauber gegenrechnen. Pooldoktor betreibt seit Januar 2026 eine KI-Produktberatung bei über 1.100 Konversationen im Monat und misst 33-fachen ROI sowie 18,75 Prozent mehr Umsatz pro Nutzer gegen eine Kontrollgruppe. Verapur kommt seit März 2026 auf 16-fachen ROI und 5,2 Prozent Chat-to-Checkout. Ein Replatforming dagegen bindet vier bis neun Monate und ein sechsstelliges Budget, bevor der erste Euro zurückkommt.

DSGVO, Serverstandort und DACH-Spezifika

Adobe Commerce erlaubt freie Hosting-Wahl und damit einen garantierten EU-Serverstandort. Der Preis dafür ist die volle Verantwortung für Sicherheit und Compliance. Shopify Plus hostet zentral außerhalb der EU und arbeitet mit Standardvertragsklauseln. Für die meisten B2C-Shops reicht das, bei besonders sensiblen Datenkategorien ist es ein echtes Prüfkriterium.

In der Praxis ist das doch seltener ein K.-o.-Kriterium, als es in Ausschreibungen klingt. Tausende deutsche Marken betreiben Shopify Plus mit Standardvertragsklauseln und sauberem Consent-Management. Wer allerdings vertraglich zu vollständiger Datenhaltung in Deutschland verpflichtet ist, etwa im Gesundheits- oder Behördenumfeld, diskutiert das nicht weg. Dann ist Adobe Commerce mit eigenem Hosting die Antwort.

Der zweite DACH-Faktor wird international fast immer übersehen: Zahlarten. Der bevh beobachtet diesen Markt seit Jahren, und die aktuelle EHI-Studie Online-Payment 2026 zeigt, warum das für die Plattformwahl zählt.

Umsatzanteile der Zahlarten im deutschen Onlinehandel, EHI-Studie Online-Payment 2026
ZahlartUmsatzanteil 2026Vergleich 2024
PayPal28,7 %28,5 %
Kauf auf Rechnung26,1 %25,8 %
Kundenkarten1,1 %ohne nennenswerte Rolle
Sofortüberweisung0,9 %ohne nennenswerte Rolle
Sonstige, u. a. Google Pay0,9 %ohne nennenswerte Rolle
Amazon Pay0,6 %ohne nennenswerte Rolle

Mehr als ein Viertel des deutschen Onlineumsatzes läuft über Rechnungskauf (EHI Online-Payment 2026). Für B2B ist die Zahl faktisch noch höher, weil Zahlungsziele dort Standard sind. Adobe Commerce löst das nativ über B2B-Zahlungsbedingungen, Shopify Plus über die Zahlungsziele in B2B on Shopify oder über Anbieter wie Klarna. Beides funktioniert. Nur: Wer das erst nach dem Launch prüft, hat ein teures Problem. Deutsche Alternativen mit anderem Hosting-Modell haben wir in den Shopify Alternativen aus Deutschland gegenübergestellt.

DSGVO-Vergleich zwischen Adobe Commerce mit EU-Hosting und Shopify Plus mit Standardvertragsklauseln
Freie Hosting-Wahl gegen zentral gehostete SaaS: der eine Punkt, an dem Adobe Commerce strukturell vorne liegt.

Migration von Adobe Commerce zu Shopify Plus

Eine Migration von Adobe Commerce zu Shopify Plus dauert für einen mittelgroßen Shop typischerweise vier bis neun Monate. Das größte Risiko ist nicht die Datenübernahme, sondern der SEO-Einbruch durch fehlerhafte 301-Weiterleitungen. Hier verlieren Shops regelmäßig einen zweistelligen Prozentsatz ihres organischen Traffics.

Daniel Ehrhardt, Geschäftsführer der Shopify-Agentur codext, formuliert es unmissverständlich: "Wenn ein Migrations-Projekt nach Launch organischen Traffic verliert, liegt es in 90 % der Fälle an den Redirects." Sein Team hat in zwei Migrationen ohne saubere Redirect-Map 40 bis 65 Prozent Traffic-Verlust in den ersten sechs Wochen gemessen (codext). Mit sauberer Map: stabile Werte ab Tag eins.

Der technische Kern ist die URL-Struktur. Magento-URLs enden häufig auf .html, Shopify erzwingt /products/ und /collections/. Es gibt keine serverseitige Pattern-Logik wie in einer .htaccess, also brauchst du eine explizite Zuordnung. Bis rund 10.000 Redirects geht das per Bulk-CSV im Admin, darüber über die Admin-API. Und Google folgt nur fünf Weiterleitungssprüngen, danach bricht die Kette.

Was bei der Migration sauber übergeht und was nicht
DatenobjektÜbernahmeWas zu tun ist
Produkte und KategorienunkritischAttributmapping vorab definieren, sonst landen Varianten falsch
KundenkontenteilweiseStammdaten ja, Passwörter nein. Reset-Prozess kommunizieren
Bestellhistoriemöglicheigener Importlauf, nicht Teil des Standard-Exports
Individuelle Preislogikenneinin Shopify Functions oder per API neu abbilden
URLs und Rankingsnur mit Redirect-Map95 % der Top-1.000-Traffic-URLs 1:1 mappen
Custom-ExtensionsneinApp-Äquivalent suchen oder Funktion neu bauen
Redirect-Vorgehen, bevor du live gehst
  • URL-Inventur aus Search Console, GA4, Sitemap, Full-Crawl und Backlink-Tool, nicht nur aus der Sitemap
  • URLs klassifizieren: strukturell wichtig, contentrelevant, funktional veraltet, Müll
  • Redirect-Map als CSV mit alter URL, neuer URL und Traffic-Priorität
  • Stichprobentest von 50 URLs plus Crawl der kompletten Map vor dem Cutover
  • 90 Tage Post-Launch-Monitoring auf 404-Fehler und organische Sessions
  • Zielwert: unter 10 % Traffic-Verlust in den ersten sechs Wochen, unter 50 404-Fehler nach 30 Tagen

Der umgekehrte und der seitliche Fall

Nicht jeder, der diesen Vergleich liest, will Adobe Commerce durch Shopify ersetzen. Zwei andere Wege tauchen regelmäßig auf. Erstens der Wechsel von Adobe Commerce zu Shopware, meist getrieben von EU-Hosting und DACH-Zahlarten, technisch mit denselben Redirect-Risiken. Zweitens die Koexistenz: Adobe Commerce bleibt als Backend für Katalog und Preise stehen, während ein Shopify-Storefront davor läuft.

Der zweite Fall ist weniger exotisch, als er klingt. Er läuft über die Shopify API und ist dann sinnvoll, wenn deine Preis- und Katalogpflege im Adobe-Stack sauber funktioniert und nur das Frontend hakt. Du sparst dir die Datenmigration und kaufst dir dafür eine dauerhafte Synchronisationsstrecke ein. Das ist eben ein Tausch, kein Gratismittag.

Adobe Commerce vs Shopify vs. die restliche Enterprise-Liga

Adobe Commerce und Shopify Plus sind selten die einzigen zwei Kandidaten auf der Shortlist. Salesforce Commerce Cloud zielt auf Konzerne mit bestehendem Salesforce-Stack, commercetools auf API-first-Architekturen, Shopware auf DACH-Mittelständler mit Hosting-Souveränität. Wer nur zwei Plattformen vergleicht, hat die Auswahl meist zu früh verengt.

Enterprise-Plattformen im DACH-Kontext, Stand Q3 2026
PlattformBetriebsmodellPasst, wenn ...
Adobe CommerceOpen Source mit Lizenz, self-hosted oder PaaSdu Entwickler hast und Preislogiken im Code brauchst
Shopify PlusSaaSTime-to-Market und Betriebskosten deine Engpässe sind
ShopwareOpen Source, self-hosted oder CloudEU-Hosting und DACH-Zahlarten den Ausschlag geben
Salesforce Commerce CloudSaaSSalesforce CRM und Service bereits im Konzern laufen
commercetoolsHeadless SaaS, API-firstdu eine eigene Frontend-Mannschaft und Composable-Strategie hast
BigCommerceSaaS mit offenen APIsdu SaaS willst, aber mehr Schnittstellen als Shopify brauchst

Zwei dieser Duelle haben wir separat durchgerechnet: Magento vs Shopware für den Fall, dass EU-Hosting gesetzt ist, und Shopware vs Shopify für die klassische DACH-Entscheidung. Eine Stufe darunter, bei kleineren Katalogen, verschiebt sich das Feld noch einmal, siehe Shopify vs WooCommerce. Und wer aus der Shopware-Richtung kommt, findet die Gegenkandidaten in unserer Übersicht der Shopware Alternativen.

Beide Hersteller haben natürlich eigene Vergleichsseiten. Shopifys eigener Vergleich gegen Adobe ist sauber gemacht und erwartbar einseitig. Lies ihn ruhig, aber lies ihn als das, was er ist. Die DE-Agentur Eshop Guide bringt den Gegensatz in ihrem Vergleich vom Juni 2026 auf den Punkt: "Shopify reduziert die Komplexität, während Adobe Commerce maximale Flexibilität bietet" (Eshop Guide).

Übersicht der Enterprise-E-Commerce-Plattformen Adobe Commerce, Shopify Plus, Shopware, Salesforce Commerce Cloud, commercetools und BigCommerce
Die Shortlist besteht selten aus zwei Namen. Adobe Commerce und Shopify Plus sind zwei von mindestens sechs realistischen Kandidaten.

Fazit: Welche Plattform für welchen Händler

Bleib bei Adobe Commerce, wenn du ein festes Entwicklerteam, hochkomplexe Preis- und Katalogstrukturen und einen zwingenden EU-Hosting-Bedarf hast. Wechsle zu Shopify Plus, wenn Time-to-Market und laufende Betriebskosten deine Engpässe sind. Prüfe eine Beratungsschicht zuerst, wenn dein eigentliches Problem Beratungsqualität statt Plattformtechnik ist.

Die Entscheidung lässt sich auf vier Prüfungen eindampfen. Wer sie in dieser Reihenfolge durchgeht, kommt eigentlich selten zum falschen Ergebnis.

  1. Entwicklerkapazität prüfen. Hast du dauerhaft mindestens einen Entwickler für den Shop? Wenn nein, fällt Adobe Commerce raus, unabhängig vom Feature-Vergleich.
  2. Compliance-Anforderung prüfen. Ist EU-Datenhaltung vertraglich zwingend? Wenn ja, fällt Shopify Plus raus.
  3. Preislogik prüfen. Lassen sich deine Preise und Freigaben mit Katalogpreisen und Zahlungszielen abbilden, oder brauchst du echten Code? Letzteres spricht für Adobe Commerce.
  4. Engpass prüfen. Ist deine Conversion technikbedingt niedrig oder beratungsbedingt? Nur der erste Fall rechtfertigt ein Replatforming.

Was ich nach diesem Vergleich anders sehe als vor zwei Jahren: Die Feature-Lücke ist nicht mehr das Argument. Sie ist mit dem Variantenlimit und B2B on Shopify weitgehend geschlossen. Was bleibt, ist eine Personalfrage. Adobe Commerce ist die richtige Wahl für Händler, die Entwickler beschäftigen wollen. Shopify Plus ist die richtige Wahl für Händler, die das nicht wollen. Wenn du an dieser Stelle merkst, dass keine der beiden dein eigentliches Problem trifft, hilft der Blick auf die breitere Auswahl in unserem Überblick der Shopify Alternativen im Überblick.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ja. Adobe hat Magento 2018 für 1,68 Milliarden US-Dollar übernommen und die kostenpflichtige Enterprise-Version im April 2021 in Adobe Commerce umbenannt. Magento Open Source existiert weiter als kostenlose Variante ohne B2B-Modul und ohne Adobe-Support.

Adobe Commerce ist eine lizenzpflichtige E-Commerce-Plattform auf Open-Source-Basis, die du selbst hostest oder als PaaS bei Adobe betreibst. Die Lizenz beginnt bei rund 22.000 US-Dollar im Jahr und steigt mit deinem GMV. Du bekommst vollen Quellcodezugriff und trägst dafür den gesamten Betrieb.

Nein. Adobe Commerce gibt dir den Quellcode und verlangt dafür eigenes Hosting, eigene Patches und ein Entwicklerteam. Shopify Plus ist SaaS ab 2.100 Euro im Monat und übernimmt Betrieb und Updates, begrenzt dafür die Eingriffstiefe im Checkout und in der Datenhaltung.

Für Händler ohne festes Entwicklerteam, die schnell live gehen wollen. Im deutschen KMU-Segment bis 10 Millionen Euro Umsatz nutzen bereits 39,9 Prozent der Shops Shopify. Für zwingende EU-Datenhaltung oder ERP-getriebene Preislogiken ist es die schlechtere Wahl.

Drei Punkte. Der Serverstandort liegt außerhalb der EU und läuft über Standardvertragsklauseln. Der Checkout ist nur an definierten Punkten erweiterbar. Und bei fremdem Payment-Gateway berechnet Shopify 0,20 Prozent je Transaktion zusätzlich zu den Gebühren des Anbieters.

Im DACH-Raum sind Shopware und JTL die relevantesten, mit 25,1 und 12,3 Prozent Marktanteil bei deutschen KMU-Shops. Beide erlauben EU-Hosting. WooCommerce ist bei kleinen Katalogen günstiger, verlagert die Betriebskosten aber auf Hosting und Wartung.

Shopify berechnet die Migration selbst nicht, der Projektaufwand liegt bei dir. Rechne mit vier bis neun Monaten für einen mittelgroßen Shop. Der teuerste Fehler ist eine lückenhafte Redirect-Map: Agenturen messen dann 40 bis 65 Prozent Traffic-Verlust in den ersten sechs Wochen.

Bevor du sechsstellig replatformst

Wenn Kunden abspringen, weil sie nicht wissen, welches Produkt zu ihnen passt, löst das kein Plattformwechsel. Ein KI-Mitarbeiter berät sie direkt im Shop, auf Adobe Commerce genauso wie auf Shopify Plus. Bei Pooldoktor sind daraus 33-facher ROI und 18,75 Prozent mehr Umsatz pro Nutzer geworden.

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Über den Autor
Kevin Lücke
Kevin Lücke
CTO & Co-Founder · Qualimero

Kevin ist CTO und Mitgründer von Qualimero. Als KI-Architekt mit über 15 Jahren Erfahrung als CTO und CPO in der Tech-Branche entwirft er die KI-Systeme, die bei Qualimeros Kunden täglich zehntausende Kundeninteraktionen automatisieren — zuverlässig, sicher und skalierbar.

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